Möbel neu gedacht 

25. SEPTEMBER 2026

Bild: Klarenbeek & Dros (Der „Moss Chair“ von Klarenbeek & Dros besteht unter anderem aus Moos. In der Ausstellung „Design of the Unusual“ gedeiht er in einer bewässerten Vitrine)

Möbel aus Pilzen und Algen sind nicht nur nachhaltig, sie sind im Trend. Das niederländische Duo Klarenbeek & Dros hat unter anderem Möbel aus Pilzen und Gläser aus Algen kreiert. Immer mehr Designer kommen auf den Pilz- und Algengeschmack. Damit verbinden sie Design mit Nachhaltigkeit. Ich sage mal, wow. 
Seit einigen Jahren werden in den Textil- und Einrichtungsindustriezweigen zahlreiche umweltfreundliche und innovative Algen- und Pilzmaterialien entwickelt. Am Anfang waren es nur teure Einzelstücke. Nun nimmt dieser Trend immer mehr Fahrt auf und es könnten bezahlbare Produkte für jeden entstehen. 

Pilze sind mehr als nur eine Delikatesse. Sie werden immer mehr zum Baustoff der Zukunft. Designer*innen und Forscher*innen weltweit züchten Stühle, Leuchten und Akustikelemente aus Myzel. Diese Möbel revolutionieren die Möbelproduktion.

Die beiden kreativen Designer Klarenbeek & Dros gestalten ihre neuen ökologischen Möbel aus Algen, die sie am heimischen dänischen Küstenstrand sammeln. Aus diesen Algen fertigen sie schwebende Lampen sowie einen komfortablen Sessel im nostalgischen Stil. Dafür verwenden sie die Algenart Seegras, die getrocknet, pulverisiert und mit recyceltem Papier sowie Wasser vermischt wird. 

Die resultierende, cremige Substanz wird nach dem Zusammenmischen erhitzt und anschließend in Form gebracht. Aus ihr entstehen Hängelampen und ein Stuhl-Modell, die in ihrer Haptik und Ausdrucksweise natürlich wirken. Jedes Möbelstück ist ein Unikat mit eigenem Charakter, und genau das verleiht diesen besonderen Einrichtungsprodukten ihren ganz eigenen Reiz.

Das natürliche Polymer Alganit, das Algen enthalten, gewährleistet die Haltbarkeit der neuartigen Produkte. Natürliche Polymere tragen die Verantwortung dafür, dass sie elastisch und stabil sind.

Darüber hinaus sollen Lampen wie Stühle ein angenehmes Gefühl haben, ungefähr vergleichbar mit Kork. Die Farbe bleibt gleich und entspricht exakt den Algen, die verwendet werden. Daher können die Öko-Möbel von hellgrün bis dunkelbraun gefärbt sein. Allerdings würden die Produkte nicht den üblichen Geruch von Algen haben, der entweder stärker oder weniger stark ist.

MANCHE MATERIALEIGENSCHAFTEN MÜSSEN ERST GEZÜCHTET WERDEN
Für die Entstehung eines myzelbasierten Verbundwerkstoffs (Mycelium-Based Composite, MBC) ist ein Substrat für die Pilzkulturen erforderlich. Perfekt geeignet dafür sind organische Reststoffe aus der Agrar- und Landwirtschaft, wie beispielsweise Holzspäne oder Hanffasern. Unter kontrollierten Bedingungen durchdringen die organischen Reststoffe im Zuge des Stoffwechselprozesses ein dreidimensionales Myzelgeflecht, das als Bindemittel fungiert und Stabilität verleiht.

Die MBC-Rezepturen sind zahlreich. Speisepilze sowie Baumpilze wie der Zunderschwamm und Untergattungen sind geeignet. Der Verarbeitungsgegenstand (Hanf-, Getreide- oder Holzreste) beeinflusst die Eigenschaften des Endmaterials ebenso wie andere variable Faktoren: Temperatur, Luftfeuchtigkeit und die Dauer des Pilzwachstums. Die Gewürzkompositionen eines Meisterkochs werden ebenso geheim gehalten wie ihre detaillierten Formeln. Nur verständlich, denn das Erfolgsfundament liegt darin.

MBC können unter anderem mit Eigenschaften wie Isolierung, Feuchtigkeitsregulierung, Brandbeständigkeit, Elastizität, Weichheit, Dichte oder Reißfestigkeit gezüchtet werden. Es ist möglich, maßgeschneiderte Textilpolsterungen, Lederalternativen sowie komplette Möbelstücke und Verpackungen zu entwerfen.

Bild: Robin Noordam (Stuhl Banet hat die Contract Level 1-Prüfung bestanden und ist damit robust genug für Gastronomie und Büro)

Der Stuhl Banet kann bereits einen großen Erfolg verbuchen: Der Kern wird vom Unternehmen Growmolding mit Hanffasern und Pilzmyzel hergestellt. Mit hoher Genauigkeit wird das MBC geformt, wodurch ein äußerst komfortables Sitzmöbel entsteht – und zugleich der erste Myzel-Verbundstoffstuhl weltweit, der die Contract Level 1-Prüfung bestanden hat. Damit ist Banet für die Gastronomie und das Büro ausreichend robust. Die Polster bestehen aus Algenschaum und upgecycelter Wolle oder Baumwolle – je nach gewünschter Variante sind sie also vegan oder tierisch.

VORTEILE BEIM EINSATZ VON ALGEN
Algen sind aufgrund ihrer vielen positiven Eigenschaften in vielerlei Hinsicht verwendbar. Schritt für Schritt werden sie als Ersatz für Kunststoffe etabliert. Am besten daran: Sie können wiederverwertet werden, sind kompostierbar und reduzieren überschüssiges CO2. Daher fungieren ganze Meeresaquakulturen, in denen Seetang angebaut wird, als Anbieter von Rohstoffen. Diese Seetangfarmen zeichnen sich dadurch aus, dass sie einen positiven Umwelteffekt haben.

Damit stellen Algen und Pilze einen interessanten Innovationstreiber für Möbel aus nachwachsenden Rohstoffen dar.

Vielleicht entwickeln wir hier eine neue Art zu denken. Es geht schließlich nicht nur um ein Möbel, es geht um Kreislaufwirtschaft in, biologische Abbaubarkeit und eine neue Ästhetik.

Herzliche Grüße Eure Jana-Maria

Autorin | Jana-Maria Seiferth

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